Teilhabe und Lebenschancen

Unsere Gesellschaft lebt in Parallelwelten – die sich zudem dramatisch entfremden

(Das Auseinanderbrechen unserer Gesellschaft ist das Kernthema meines Buches. Um Sie auf die Problematik einzustimmen, fallen die folgenden Zitate aus dem Buch etwas länger aus.)
In meinem Buch habe ich geschrieben (S. 25 f.):

Teilhabe als ein Element der Menschenwürde

„…Es geht darum, dass alle Menschen teilhaben können an den gesellschaftlichen Errungenschaften. Ein menschenwürdiges Leben ist noch nicht gegeben, wenn ein Mensch genug zu essen und zu trinken, sowie ein Dach über dem Kopf hat: Theater, Kino, Sportveranstaltungen, Ausgehen, Urlaub. Das sind immaterielle Werte, die den Menschen Freude und Entspannung bereiten. Für die Teilhabe an diesen immateriellen Werten sind jedoch materielle Werte (Geld) erforderlich. Das Grundgesetz nennt die Menschenwürde ein hohes, unantastbares und jedem zustehendes Gut. In das Verständnis dieser Würde passt es nicht, Menschen den Zugang zu diesen immateriellen Werten zu verwehren und ihnen jede Perspektive zu nehmen, zu ihren Lebzeiten jemals auch nur annähernd in den Genuss dieser Annehmlichkeiten zu kommen. Es wird nicht beachtet, dass dieser Zustand auch das Selbstbewusstsein beeinträchtigt. Dies gilt besonders für Kinder. Der Soziologe Klaus Hurrelmann hat herausgefunden, dass arme Kinder sehr wohl eine Wahrnehmung dafür haben, dass sie weniger haben als andere. Sie fühlen sich dadurch weniger wertvoll und herabgesetzt, mit einem Wort gesagt minderwertig. Frank Polke spricht in einem Kommentar in den „Westfälischen Nachrichten“ (2016) gar von Demütigungen und dem Sterben früher Hoffnungen. Mit Folgen für das Heranwachsen und das weitere Leben dieser Kinder; denn dieses negative Gefühl wird ihr ständiger Begleiter sein. Teilhabe entspricht nicht nur materiellen Beweggründen, sondern hat auch etwas mit staatlich zugesicherter Würde zu tun. Genau diese Verletzung des Grundgesetzes (Art. 1) geschieht aber in unserem Land Tag für Tag in vielfältiger Weise.“

Das frühe Sterben von Persönlichkeit und Chancen

„Es ist nicht nur die Würde, die hier verletzt wird, sondern auch die ebenfalls grundgesetzlich zugesicherte freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2).Im Jahr 2014 konnten sich in Deutschland 16,7 Mio. Menschen (darunter 3,4 Mio. Kinder und Jugendliche) keine mindestens einwöchige Urlaubsreise leisten. Soweit die seinerzeitige Datenlage von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union. Laut aktuellen Medienberichten hat sich dieser Wert in den Folgejahren nicht wesentlich verändert. Für diese heranwachsenden Menschen hat das einschneidende Folgen für ihr weiteres Leben. Untersuchungen besagen, dass fremde Ziele, andere Sprachen und andere in einem Urlaub erworbene Eindrücke die Fähigkeit des Gehirns verbessern, Wissen zu erwerben und sich zu strukturieren.“ „… Eine Studie der Bertelsmann Stiftung kommt zu der Erkenntnis, dass arme Kinder sozial isolierter aufwachsen, neben gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch häufiger Probleme in der Schule und bei der Jobsuche haben. Hier geht es bei weitem nicht nur um materielle Armut, sondern auch und vor allem um Chancenarmut, wie es Rasmus Buchsteiner in einem Kommentar in der Tageszeitung „Die Glocke“ (2016) sehr treffend beschreibt. Das Wirtschafts- und Finanzsystem in seiner gegenwärtigen Form ist nicht dazu angetan, allen im Geltungsbereich des Grundgesetzes lebenden Menschen eine freie Entfaltung der Persönlichkeit zu ermöglichen.“ (S.27)

Ein Streifzug durch die Zeitungen
Ein Streifzug durch die Zeitungen über einen längeren Zeitraum bestätigt: Unsere Gesellschaft ist gespalten – und eine Besserung nicht in Sicht

Die Zahlen, die Iris Blume, Sozialamtsleiterin des Kreises Warendorf, im September 2018 dem Sozialausschuss der Kreisstadt vorlegte, stimmten nachdenklich. Reaktion von Jessica Wessels (Grüne): „Es ist ein Stigma, arm zu sein.“ Was die Ausschussmitglieder betroffen machte: Seit dem Jahr 2007 ist die Zahl der minderjährigen Sozialleistungsbezieher von 727 auf 941 im Jahr 2016 gestiegen. „Die Wirtschaft brummt. Verglichen mit der Arbeitslosenquote von circa vier Prozent ein gravierendes Missverhältnis“, wie Erster Beigeordneter Dr. Martin Thormann fand.

Meine Anmerkung dazu: Das bestätigt, dass die Arbeitslosigkeit zwar historisch niedrig aber die Bezahlung in vielen Fällen mehr als mies ist und der Steuerzahler die Lücke füllen muss, die die Unternehmen durch ihr unverantwortliches Handeln aufreißen.

Fazit Blume zu ihrem Bericht: Wächst ein Kind in Armut auf, bleibt es meistens für längere Zeit arm. Den meisten Familien mit Kindern geht es gut in Deutschland – doch vielen bedürftigen Haushalten gelingt es kaum, sich aus der Armut zu befreien. Einmal unten – immer unten. Das hat Folgen für Bildungschancen und Gesundheit. Soweit beispielhaft die Fakten aus Warendorf (Quelle WN v. 20.09.2018).
So oder ähnlich ist die Situation überall bei uns im Land. Und eigentlich kennt jeder von uns die Situation.

Was mich so maßlos aufregt: Wir als Gesellschaft schauen tatenlos zu, statt endlich etwas dagegen zu tun!

In meinem Buch zeige ich Ihnen, dass es eine breitere und so wichtige Teilhabe für alle hier lebenden Menschen geben kann. Mehr Geld und finanzielle Sicherheit für alle ist möglich. Es bedarf aber gravierender Veränderungen an einigen Stellen.

Dabei könnte das Geld für Alle reichen. Wir müssen nur die Geldflüsse anders steuern – zum Wohle aller Mitglieder unserer Gesellschaft.

Lesen Sie dazu meine Kernaussage auf S. 31 ff. … und diskutieren Sie mit!

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